Presse

Tag der Integration ist friedlich, bunt und interkulturell

Von: Nina Krüsmann
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Aachen. „Der Tag der Integration ist im zwölften Jahr zu einem Bürgertag der Stadt Aachen geworden“, betonte die Vorsitzende des Aachener Integrationsrats Paola Blume bei der Eröffnung am Sonntagvormittag. Mehr als sechs Stunden Programm von mehr als 200 Organisationen aus Aachen und Umgebung auf den Bühnen im Europasaal, im Brüsselsaal und im Foyer sowie in den Konferenzträumen folgten.

„Wir können diesen Erfolg noch weiterentwickeln und unsere beiden Nachbarländer Belgien und die Niederlande einbeziehen. So können wir ein hervorragendes Beispiel für gelungene Integration im Herzen Europas sein“, erklärte Blume.

Die internationale Atmosphäre drinnen und draußen sprach für sich, von Stunde zu Stunde strömten mehr Besucher zu den einzelnen Programmpunkten. Sogar ein Zirkuszelt stand wieder draußen und bei schönem Wetter gab es viele Open-Air-Angebote. Auch die Tatsache, dass aus dem Tag der Integration mittlerweile ein ganzes Wochenende geworden ist, spricht für den Erfolg der etablierten Veranstaltung, die unter dem Motto „Demokratie stärken“ ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen in der Stadt setzte.

Den Auftakt machte am Samstag unter dem Titel „ImPuls der Gesellschaft“ die erste Integrationskonferenz von Stadt und StädteRegion, bei der mehr als 200 Fachleute und Interessierte aus ganz Deutschland über die heutige Gesellschaft, über Zuwanderung, interkulturelle Öffnung sowie Integration diskutierten. Oberbürgermeister Marcel Philipp verlieh an diesem Tag den städtischen Förderpreis „Integration durch Sport“.

Den ersten Platz machte der „Verein zur Förderung von integrativen Jugendcamps“. Die Ehrenamtler rund um Uschi Brammertz organisieren das Segelflugcamp in Merzbrück seit 2006 mit bis zu 100 Teilnehmern und das Segelcamp am Rursee in diesem Jahr zum achten Mal mit diesmal 70 Teilnehmern. „Hier begegnen sich Jugendliche mit und ohne Behinderung, mit Migrationshintergrund sowie Geflüchtete und für ein paar Tage fühlen sich alle gleich“, erklärt Brammertz.
Auf Platz 2 ist der DJK Aufwärts mit dem Projekt „Schach verbindet“. Der Verein organisiert Turniere, bei denen die Spieler Speisen aus ihrer Heimat mitbringen, Mehrgenerationen-Turniere mit dem Ziel, Patenschaften zwischen Jung und Alt zu gründen sowie Turniere in der Citykirche, Moschee und Synagoge. Im Aufbau sind Turniere für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung sowie demnächst Schachunterricht im Kennedypark. Zwei Flüchtlinge sind mittlerweile Jugendtrainer im Verein. Auf Platz 3 folgt der Brander Turnbverein mit seinen Basketballangeboten für Mädchen mit Migrationshintergrund am Driescher Hof und an der Mataréstraße. Das Angebot wurde im Sommer 2017 ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Mädchen in die bestehenden Jugendmannschaften des Brander TV zu integrieren.

Der Sonntag begann mit einer multireligiösen Friedensfeier vom „Dialog der Religionen“. „Indem wir zeigen, wie Integration hier vor Ort gelingt können wir den aktuell hochkochenden Emotionen etwas entgegnen“, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Der Tag im Eurogress bot weit mehr als Folklore und internationale Küche. Erster Höhepunkt war der Integrationspreis der Stadt Aachen. In der Kategorie „Einzelperson“ wurde der Inder Debdatta De für sein lebenslanges Engagement ausgezeichnet. Seit 58 Jahren lebt er in Deutschland und bezeichnet sich als „Öcher Jong“. Er ist im Café International Monschau eine wichtige Anlaufstelle für Migranten. Die Initiative „Café International“ existiert seit 1991 und ist aus dem Monschauer Arbeitskreis für Asylbewerber hervorgegangen. 1994 wurde der bis heute existierende Treffpunkt für Asylbewerber und Deutsche im Pfarrheim Imgenbroich eröffnet. Über diesen Treffpunkt hinaus wurden und werden viele Veranstaltungen, Aktionen und Projekte für und mit Flüchtlingen durchgeführt. Die Arbeit wird ausschließlich von Ehrenamtlichen wie Debdatta De getragen.
Der Integrationspreis in der Kategorie „Gruppe“ ging an das Projekt „Eilendorf kocht“, das an der Versöhnungskirche ansässig ist. „Bis zu 100 Leute sind dabei, schnibbeln, kochen und kommen dabei ins Gespräch. Wir singen, spielen und spülen natürlich auch gemeinsam“, erzählt der evangelische Pfarrer Hans Christian Johnsen über das ökumenisch getragene Angebot das abwechselnd in der evangelischen beziehungsweise katholischen Gemeinde und in der OT Eilendorf stattfindet. In der Organisation sind Quartiersmanager Michael Grein und Pelin Ygit vom Verein „Türöffner“ maßgeblich beteiligt. „Und es gibt natürlich auch deutsches Essen wie Gulasch und Knödel“, erzählt Johnsen. Bei den nächsten Terminen geht es kulinarisch nach Kurdistan und nach Südafrika.

„Einzug der Nationen“

Nach dieser Preisverleihung gab es erstmals beim Tag der Integration einen „Einzug der Nationen“ mit Fahnen und landestypischen Trachten, was ein wunderschönes Bild bot. Beim Lied „We are the world“ fielen alle Gäste im Saal mit ein.

Gleich mehrere Auftritte in wechselnden Kostümen hatte die Mexikanerin Cecilia Quijada mit ihrer Tanzgruppe „Tequila y Limon“. Sie ist ein Beispiel für gelebte Integration. „Meine Familie kam nach Österreich weil mein Onkel hier geheiratet hat“, erzählt die 1966 in Guadalajara geborene Frau über ihren Weg nach Europa. Inzwischen lebt sie lange in Aachen. Sie betont: „Ich liebe Aachen, es ist meine neue Heimat geworden!“. Sie arbeitet im Hotelbereich und bereichert mit ihrer mexikanischen Freundin Ileana Wolters seit 2011 das Rahmenprogramm beim Tag der Integration, indem sie ihr Land repräsentieren.

Spannend bis zuletzt war einmal mehr die Saalwette: Bei der beliebten Saalwette wurden diesmal Sprachtalente gesucht. Gerd Mertens als Mitorganisator des Tages hatte die Volkshochschule Aachen und die low-tec Aachen herausgefordert und gewettet, dass diese es nicht schaffen, 100 Aachenerinnen und Aachener auf die Bühne zu holen, die vier oder mehr Sprachen sprechen.

Es waren zum großen Finale um 17 Uhr schließlich 160 sprachbegabte Aachener Bürger, die mindestens vier Sprachen sprechen. Gerd Mertens bekocht nun als Wetteinsatz zwei Personen sowie VHS-Direktorin Dr. Beate Blüggel und Corinna Bornscheuer-Heschel von low-tec.

Schon traditionsgemäß erschien auch der Interreligiöse Kalender in seiner aktuellen Auflage. In bewährter Zusammenarbeit haben die Mitglieder des Arbeitskreises „Dialog der Religionen“ den Kalender mit Informationen zu den Feiertagen von acht Religionsgemeinschaften aufgelegt. Am Stand des „Dialogs der Religionen“ in der ersten Etage herrschte große Nachfrage. Interessierte können den Kalender unter Telefon 0241/432-0 bei der Stadt Aachen bestellen oder ihn auf den Internetseiten www.aachen.de/integration herunter laden.

Aachener Nachrichten / Aachener Zeitung, 3. September 2018

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StädteRegion Aachen

Auf dem Wasser sind alle gleich. Integratives Segel-Jugendcamp in Woffelsbach mit 70 Jungen und Mädchen
Auf dem Wasser sind alle gleich. Integratives Segel-Jugendcamp in Woffelsbach mit 70 Jungen und Mädchen
 
Der Wind weht Laura und Lukas um die Nase, das Wasser glitzert im Schein der untergehenden Sonne und überhaupt könnte dieser Tag am Rursee für die beiden Jugendlichen nicht schöner sein.

So wie die beiden Freunde genossen jetzt insgesamt 70 Teilnehmer die wunderbare Atmosphäre beim 8. Integrativen SegelJugendcamp des Vereins zur Förderung von Integrativen Jugendcamps. Seit acht Jahren macht der rührige Verein in Kooperation mit vielen starken Partnern, Förderern aus der Politik und Sponsoren das fünftägige Feriencamp in Woffelsbach möglich. Am Ufer des Rursees bietet der kleine Eifelort hervorragende Bedingungen für die jungen Leute aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden und ihre Betreuer.

Das Camp ist aber nicht nur grenzüberschreitend, was die Herkunft der Teilnehmer anbetrifft. „Bei uns begegnen sich Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund, Geflüchtete aus Syrien, junge Menschen mit einer Behinderung und auch solche, die sozial nicht ganz so gut gestellt sind. Aber hier im Camp sind alle gleich“, erklärt Geschäftsführerin Uschi Brammertz das Erfolgsrezept. Für keinen der Teilnehmer wird eine Gebühr fällig und über das Medium des Segelsports bringt der Verein die jungen Leute, die zunächst so verschieden scheinen, zusammen. „Das funktioniert wie von selbst. Wir haben diesmal einige Wiederholungstäter dabei und Jugendliche, die schon beim Segelflug-Camp in Merzbrück dabei waren. Das Miteinander ist großartig“, freut sich Brammertz. Nicht immer sind die Beeinträchtigungen der Teilnehmer sofort erkennbar. So sind zum Beispiel ein Autist und auch zwei Gehörlose mit an Bord. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Jugendlichen untereinander helfen und sich Freundschaften entwickeln“, erzählt Brammertz. Spätestens, wenn es auf das Wasser geht, sind alle gleich.

Zwei Mädchen, die sich vor fünf Jahren im Feriencamp kennengelernt haben, sind heute sogar beste Freundinnen und freuen sich jedes Jahr

wieder dabei zu sein. Wie viele andere langjährige ehemalige Teilnehmer können auch sie sich vorstellen, in den nächsten Jahren als Betreuerinnen in der Organisation zu helfen. Rundherum gibt es viel anzupacken. Ehrenamtliche Helfer der DLRG erklären am ersten Tag, warum eine Schwimmweste so wichtig ist. Und wie man sich in einem Notfall richtig verhält und jemanden rettet, der über Bord gegangen ist.

Erfahrene Segler vom Aachener Boots-Club nahmen die Teilnehmer dann mit aufs Wasser. „Wir haben jedes Jahr viele Mitglieder, die sich sofort dafür melden, denn es ist für alle eine große Bereicherung“, erzählt der Vereinsvorsitzende Tobias Frey. Einer der Segler, der mit großer Leidenschaft ihrem Hobby nachgeht ist Rainer Ochs. Er ist auf seinem Regattaboot der Steuermann und nimmt öfter an Wettbewerben teil, zum Beispiel bei der Kieler Woche oder in Travemünde.

Zum Abschluss des diesjährigen Camps gab es ein großes Grillfest und zuvor einen ganz besonderen Schiffsausflug mit einigen Ehrengästen. Bei der Ausfahrt mit dem Rurseeschiff „MS Aachen“ lobten die anwesenden Politiker das engagierte Projekt. Der stellvertretende Städteregionsrat Axel Wirtz hat im Namen der StädteRegion weiterhin die finanzielle Unterstützung für die Camps in Aussicht gestellt. Mit dem Hut des Landschaftsverbandes Rheinland hat er auch hier weitere Unterstützung in den kommenden Jahren zugesagt. Der Vizepräsident des Landessportbunds, Stefan Klett, hat sogar eine Aufstockung der Mittel für die kommenden Jahre angeboten. Auch die Prorektorin der RWTH Aachen, Prof. Dr. Doris Klee, hat die unentgeltliche Nutzung der Veranstaltungsstätte Wildenhof für das Camp weiter zugesagt. „Das ist die Basis für die kommenden Jahre. Denn ohne Veranstaltungsort und finanzielle Absicherung ist der Verein nicht in der Lage, diese mittlerweile sehr groß gewordenen Camps zu stemmen“, betont Uschi Brammertz. Die Mitglieder des Service-Clubs KIWANIS Aachen, Eupen, Brunssum und Kerkrade sorgten im Anschluss an den Ausflug für das leibliche Wohl aller Teilnehmer und ihrer Gäste.

Bild: Nina Krüsmann. Sehr unterschiedliche Kinder und Jugendliche sitzen alle in einem Boot: Einen Grundgedanken des Integrativen Segelcamp konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am ersten Tag im Boot der DLRG konkret erfahren.

FOCUS NWMI-OFF/StädteRegion Aachen, Freitag, 24. August 2018

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super mi merzbrück2018
Super Mittwoch, 8. August 2018

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Städteregion Aachen

Integrative Jugendcamps leben Integration vor und führen Jugendliche zusammen
Integrative Jugendcamps leben Integration vor und führen Jugendliche zusammen
 

Sie alle freuten sich über das gelungene Camp: Vertreter von Kommunen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden, Unterstützer, Helfer sowie Organisatoren um Uschi Brammertz (erste Reihe, 4. v. l.).

Mittwoch, 18.07.2018, 11:52

Gemeinsam Spaß haben, Einzigartiges erleben und dabei Grenzen überwinden.

All das bot das integrative Segelflugcamp auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück dieses Jahr zum 13. Mal seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Fünf Tage verbrachten Jugendliche aus der Grenzregion, mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Migrationshintergrund, auf dem Segelflugplatz. Neben vielen Aktionen und Angeboten waren die Highlights auch in diesem Jahr der Segelflug und der Besuch der NATO Air Base in Geilenkirchen. Zum Abschluss des Camps spielte die Kölsch-Rockband „BOHEI“ aus Eschweiler und sorgte damit für einen weiteren Höhepunkt. Organisiert wird das Ferienlager vom Team des Vereins zur Förderung von Integrativen Jugendcamps e.V. rund um Geschäftsführerin Uschi Brammertz.

In diesem Jahr wurde mit 102 Jugendlichen eine Rekordteilnehmerzahl erreicht. Es waren insgesamt 16 verschiedene Nationen vertreten. Neben den Nachbarn aus dem Dreiländereck beispielsweise auch Afghanistan, Syrien, Marokko oder die Türkei. Unter den Teilnehmern waren außerdem 34 Jugendliche mit Behinderung, davon wiederum vier Gehörlose. Ihre Teilnahme konnte in diesem Jahr erstmalig ermöglicht werden, denn alle Betreuerinnen und Betreuer hatten im Vorhinein einen Gebärdensprachenkurs besucht, der von der StädteRegion Aachen finanziert wurde. „Und die Kommunikation funktioniert erstaunlich gut, auch bei den Kindern untereinander!“, stellte eine Betreuerin erfreut fest. Lara Brammertz, Mobile Jugendarbeiterin der StädteRegion, war ebenfalls besonders angetan vom Umgang mit den gehörlosen Kindern. „Sie kommunizieren übers Tanzen und Spielen. Man sieht daran ganz deutlich, dass Kommunikation nicht immer hörbar sein muss, sie kann auch spürbar sein!“ Und genau das macht das Camp aus. Eine Behinderung oder ein Migrationshintergrund stellen für die Teilnehmer keine Grenzen dar. Das sagen sie auch selbst: „Die Harmonie untereinander ist etwas ganz Besonderes. Ich komme seit sechs Jahren hier hin und merke auch, dass es mich verändert hat. Ich habe viel mehr Respekt anderen Menschen gegenüber.“

Neben dem Segelflugcamp findet jährlich auch das integrative Segelcamp in Woffelsbach am Rursee statt. Hier wird Mitte August das gleiche Konzept gelebt – allerdings auf dem Wasser statt in der Luft. Den besonderen Stellenwert dieser beiden Camps zeigte auch das große Interesse der Förderer und Vertreter aus den umliegenden Kommunen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Viele von ihnen folgten der Einladung, das Camp in Merzbrück am Abschlussabend bei bestem Wetter zu besuchen und sich vor Ort ein Bild von der Arbeit zu machen. Sie alle waren sich einig, dass das Ferienlager ein beispielloses Vorbild für Integration ist. „Es ist seiner Zeit definitiv voraus. Hier wird Integration schon viel länger gelebt, als sie überhaupt Thema in der Politik ist“, lobte Elisabeth Paul, stellvertretende Städteregionsrätin. Major Glowka von der NATO Air Base Geilenkirchen teilte bei dem Zusammenkommen schließlich zur Freude aller mit, dass man die Zusammenarbeit auch in den kommenden Jahren fortführen und sogar ausbauen möchte.

 

FOCUS NWMI-OFF/Städteregion Aachen, Mittwoch, 18. Juli 2018
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Gemeinsam verschieden sein bei den integrativen Jugendcamps
Letzte Aktualisierung:

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Vom 17. bis 21. August findet das integrative Segelcamp mit 70 Teilnehmern am Rursee statt. Foto: David Hasse

Städteregion. „Über den Wolken und auf dem Wasser – grenzenloses Abenteuer“ lautet das Motto der Integrativen Jugendcamps, die vom 13. bis 17. Juli und vom 17. bis 21. August stattfinden. Anmeldungen sind noch bis zum 30. Juni beim Verein zur Förderung von Integrativen Jugendcamps möglich.

Im Segelflugzeug sitzen und das Dreiländereck von oben sehen – das ist für alle Jugendlichen ein ganz besonderer Moment. „Na klar, zunächst hat man etwas Angst. Und ein bisschen schlecht war mir auch“, gibt die 20-jährige Burcu Aydin zu. „Aber wann kann man das schon erleben?“

Aydin war bereits mehrmals als Teilnehmerin beim Integrativen Jugendcamp – und ist begeistert. In diesem Jahr macht sie zum ersten Mal als Betreuerin auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück mit.

Fünf Tage, drei Segelflugzeuge, 30 Betreuer: Das Segelflugcamp bietet im Juli 100 Plätze für Jugendliche aus der Städteregion, Ostbelgien und den Niederlanden. Sie können gemeinsam zelten, spielen, feiern – und fliegen.

Ob mit oder ohne Behinderung, mit deutschen oder ausländischen Wurzeln, ob sozial benachteiligt oder nicht – das alles spielt keine Rolle. Jedes Jahr zeigt sich: So unterschiedlich die Jugendlichen sind, die Gruppe wächst zusammen. „Wenn man fünf Tage lang gemeinsam Sport macht, tanzt, lacht und so viel Zeit miteinander verbringt, sind die Berührungsängste irgendwann einfach weg“, berichtet Aydin.

Beim Segelcamp in Woffelsbach beobachtet Organisatorin Uschi Brammertz das Gleiche: „Da trifft ein Junge aus der ‚Aachener Bronx‘ auf ein Mädchen mit Down-Syndrom – und nach einer Weile wird klar: Sie haben doch einiges gemeinsam. Und das merken sie, wenn sie Begeisterung teilen.“

Beim Camp am Rursee können im August bis zu 70 Jugendliche kostenlos teilnehmen. Geschlafen wird, wie auch in Merzbrück, in Zelten des Fördervereins. Beim Küchendienst in der „Kleinen Kombüse“ packen alle mit an. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Freizeit mit Spiel-, Sport- und Bastelangeboten von Betreuern, Trainern und Sozialpädagogen. Hier geht es nicht darum, wer stärker oder wer schneller ist, sondern darum, gemeinsam etwas zu erreichen und Spaß zu haben.

Zentrale Erfahrung

Gemeinsam verschieden sein: Das sieht auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg als zentrale Erfahrung für die Teilnehmer der Jugendcamps: „Wenn alle Menschen dabei sein können, so wie sie sind, wenn also Inklusion tatsächlich gelingt, dann ist es irgendwann ganz normal, verschieden zu sein.“ Deswegen ist die Städteregion einer der vielen Partner, die das Integrative Jugendcamp seit Jahren unterstützten.

Wenn sie es irgendwie einrichten kann, wird Burcu Aydin auch beim nächsten Camp als Betreuerin dabei sein, denn: „Egal wie oft ich teilnehme, es ist immer wieder anders toll.“

Aachener Zeitung,

 

Segelflugcamp feiert ein rundes Jubiläum

 

Von Markus Bienwald

 

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Neuer Schirmherr: Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (im Cockpit des Segelfliegers) unterstützt Organisatorin Uschi Brammertz und Fördervereins-Vorsitzenden Herbert Olivier bei dem Integrationsprojekt. Foto: Markus Bienwald

Würselen. „Dass wir hier irgendwann einmal sitzen, um das Zehnjährige anzukündigen, hätten wir selbst nicht gedacht“, sagt Uschi Brammertz bei der Informationsveranstaltung zum zehnten integrativen Segelflugcamp in Merzbrück. Zehn Camps, das bedeutet nicht nur viel Organisation und viele finanzielle Mittel, die geflossen sind.

„Das sind auch 700 bis 800 Jugendliche, die bei uns ein wirklich grenzüberschreitendes Camp erlebt haben“, ergänzt Herbert Olivier. Als Vorsitzender des am Flugplatz Merzbrück ansässigen Luftsportvereins Aachen und Vorsitzender des Vereins zur Förderung von integrativen Jugendcamps freut er sich natürlich auch auf die Flugzeit, die er und seine Mitstreiter mit den erwarteten 80 bis 100 Jugendlichen beim diesjährigen Camp Ende Juni verbringen werden.

Er sieht, wie auch Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und neben Städteregionsrat Helmut Etschenberg und dem Vaalser Bürgermeister Reg van Loo neu im Bunde der Schirmherren, die Grenzen in jeder Hinsicht überwunden. „Hier wird der Gedanke der Inklusion gelebt, ja wahrscheinlich sogar überflogen“, sagt Paasch.

Die Überflieger kommen dabei nicht nur mit den im Camp angebotenen Segelflugzeiten dem Himmel sehr nah. Zudem gibt es viele Angebote, die das Camp neben dem Fliegen und der Begegnung noch interessanter machen. Beispielsweise die brasilianische Tanz-Kampfsportkunst Capoeira, der Bau von eigenen Trommeln mit echtem Kuhfell oder auch Graffiti-Workshops.

Durch die seit dem Start des Camps gewachsene Struktur aus Jugendlichen mit und ohne Handicap entsteht hier aber noch viel mehr, wie Initiatorin Uschi Brammertz weiß. „Da gibt es echte Patenschaften, denn einer ist verantwortlich für den anderen, das gilt fürs Essen ebenso wie nachts, wenn einer aus dem Zelt auf die Toilette muss, oder auch bei Ausflügen“, erzählt Uschi Brammertz.

Denn das Camp – mit übrigens in diesem Jahr fünf brandneuen Großzelten auf dem Flugplatzgelände – sorgt dafür, dass die Jugendlichen beim gemeinsamen Sport, bei Aktionen oder auch Ausflügen nicht nur Grenzerfahrungen machen, sondern auch mögliche Barrieren untereinander spielend überwinden. Das passt natürlich bestens zum Anspruch, in mehrfacher Hinsicht inklusiv zu sein, wie es die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul formuliert: „Wir müssen versuchen, uns jenseits vom Kirchturmdenken aufzustellen.“

Das gilt ohnehin für die Teilnehmer, die Geldgeber und auch das Organisations- und Betreuungsteam, bestätigt Uschi Brammertz. „Wir legen sehr großen Wert darauf, dass alle Angebote für alle Jugendlichen kostenlos sind“, hebt sie hervor. Denn nur dann könne die Erfolgsgeschichte des Camps, bei dem es nicht wichtig ist, wer man ist, sondern, dass man mitmacht, auch weitergeschrieben werden.

Bereits mehr als 1000 junge Menschen haben das integrative Camp erlebt

In den Reihen der Geldgeber und Unterstützer des vom Verein zur Förderung von Integrativen Jugendcamps veranstalteten Camps in Merzbrück vom 26. bis 30. Juni am Flugplatz Merzbrück finden sich mit dem Kiwanis Club Eupen und seinem Aachener Pendant Urbs Aquensis Club Aachen zwei neue Förderer.

Neben der Städteregion, der Stadt Aachen, der Euregio Maas-Rhein und dem Institut für Operations Research und Management (INFORM) sind die Nato-Airbase Geilenkirchen, der Luftsportverein Aachen, die DLRG, die RWTH Aachen, die Volkshochschule Aachen, der Aachener Boots-Club, das Inda-Gymnasium Kornelimünster und Privatfirmen beteiligt.

Zählt man die Teilnehmer des integrativen Segelcamps in Woffelsbach hinzu, das in diesem Jahr zum fünften Mal stattfindet und zwar vom 10. bis 14. Juli, wurden schon mehr als 1000 junge Menschen Teil des Camp-Erlebnisses.

Anmelden können sich Jugendliche von 14 bis 18 Jahren (ohne Behinderung) und von 14 bis 25 Jahren (mit Behinderung) bei Lara Brammertz, Telefon 01575/4771085, per E-Mail unter integratives-jugendcamp@outlook.de oder auf der Facebook-Seite „Integratives Jugendcamp“.

Aachener Zeitung, 

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